Georg Peez

Ausblick und Einsicht.
Zur Verbildlichung von Selbstbildung auf einem vermeintlich mittelalterlichen Holzschnitt

 

Ein Missionar des Mittelalters berichtet, er habe den Punkt gefunden, wo Himmel und Erde sich berühren; Holzschnitt; erstmals veröffentlicht in: Camille Flammarion: Die Atmosphäre, Paris 1888

 

Holzschnitt

1. Bildung in der "Bilderwelt"

Bilder sind Projektionsflächen. Zum einen erfüllen sie innerhalb eines "Abbild-Realismus'" die Funktion, Ordnung und Sicherheit zu schaffen, indem das Abgebildete mit dem identisch zu sein scheint, was es zeigt. Zum anderen bieten Bilder Offenheit, sie regen die Imagination an. In ihnen wird auf Weltaspekte verwiesen, die in der Sprache nicht aufgehen. Zweifellos erschließt sich uns Wirklichkeit zu einem großen Teil in Bildern, denn im Zuge der Mediatisierung unserer Kultur nimmt die Produktion von Bildern in unüberschaubarer Menge zu. Aufgabenbereiche der kulturellen Erwachsenenbildung sind u. a. nicht nur die 'handgreiflich', sinnlichen und materialbezogenen Vermittlungsbereiche unmittelbarer Erfahrungen 'aus erster Hand', sondern ebenso die medienvermittelten Erfahrungen. Denn Bedeutungen aus beiden Erfahrungsbereichen vermischen sich in jedem Menschen zu einem individuellen Cluster von dem, was wir als ‚Wirklichkeit‘ empfinden. Deshalb sind das Hinterfragen von Bildern und die damit verbundenen Ästhetisierungsprozesse als zentral für Kulturelle Bildung in der Mediengesellschaft anzusehen.

 

2. Bildhafte Analogien

Abgesehen von solchen didaktischen Überlegungen zeigte sich in den letzten zehn Jahren verstärkt das Bedürfnis nach der Klärung des Bildbegriffs, u. a. in der Kunsttheorie, in der Soziologie, in der Pädagogik und der Kunstpädagogik. Die pädagogische Literatur war immer schon reich an metaphorischer Sprache und bildhaften Analogien. Vergleiche des Erziehers mit einem Gärtner, einem Wegbegleiter, einem Bildhauer oder Töpfer haben mythische Wurzeln; sie prägten spätestens seit der Antike sowohl alltagspraktische als auch wissenschaftliche Verständnisweisen von Erziehung und Bildung. Bereits die Worte 'Bildung' und 'Erziehung' sind bildhaften Ursprungs (Lichtenstein 1966). Die hoch komplexen Erziehungs- und Bildungsprozesse sind der direkten Wahrnehmung nicht zugänglich, weshalb es nahe liegt, in der Darstellung und Erörterung dieser Prozesse, auf Bilder zurückzugreifen.
Anhand eines konkreten Beispiels wird im Folgenden nachgezeichnet, wie ein Bild Projektionsfläche und Gestaltungsanlass für u.a. andragogische Aspekte sein kann, die schwer in Worte zu fassen sind. Dieses Bild wirkt gar insoweit wirklichkeitskonstitutiv, als wir bereit sind, hierfür (Selbst-) Täuschungen in Kauf zu nehmen. Die Beschäftigung hiermit soll sowohl die erkenntnistheoretische Bedeutung von Bildern als auch deren pädagogische Relevanz exemplarisch belegen.

 

3. Ein Holzschnitt

Eine sehr beliebte Illustration sowohl im Bereich der Pädagogik, der konstruktivistischen Erkenntnistheorie als auch in den Medien ist die Abbildung zu diesem Beitrag. Dargestellt ist der Ausschnitt eines wissenschaftlich zwar längst überholten, uns aber doch wohlbekannten mittelalterlichen Weltbildes: die Welt als Scheibe, der Himmel als 'Käseglocke'; ein Mensch versucht mit Erfolg 'am Ende der Welt' das außerhalb der 'Glocke' Liegende zu erspähen. Dieses Bild ist wie geschaffen für die Versinnbildlichung menschlichen Erkenntnisstrebens. Der Mensch ist durch sein eigenes Vermögen dazu fähig, Grenzen zu überwinden. Er vermag, 'in neue Welten vorzudringen'. Hier wird eine tief in uns sitzende Sehnsucht in einer kompositorisch recht einfach aufgebauten Darstellung mit geläufigen Bildelementen ausgedrückt. Die Identifikation mit dem Wanderer, der das Ende der Welt, das Ende seiner bisherigen Weltkenntnis und seines Wissens erreicht hat und im selben Augenblick erweitert, wird bei Betrachtenden evoziert.
Der Ursprung des Bildes scheint auf den ersten Blick das späte Mittelalter zu sein. Auf die Richtigkeit dieser Vermutung deutet nicht nur das dargestellte Weltbild 'Welt als Scheibe' hin, sondern auch die ikonografischen Stilmerkmale, etwa die Art der flächigen Darstellung des Baumes, die Darstellung des Faltenwurfs auf dem Gewand der Person, die gotische Architekturmerkmale ausweisende Dekoration im Bildrahmen oder auch die mit einem Gesicht personifizierte Sonne. Dass es sich hierbei um einen "deutschen Holzschnitt" "aus der Zeit um 1530" handelt, der "direkt von der angegebenen Bildquelle, vom Bildarchiv des Deutschen Museums in München übernommen worden ist" (Boschke 1962 nach Clausberg 1994, S. 192), scheint zunächst unzweifelhaft. Taucht diese Abbildung in der Literatur auf (z. B. Grössing 1993; Harthemeyer 1994, S. 27), wird ihre Herkunft in etwa so oder so ähnlich beschrieben. Dies trifft auch auf Geschichtsbücher für den Schulunterricht zu, in denen das Bild beispielsweise im Kontext des "Zeitalters der Entdeckungen" um 1500 als Illustration genutzt wird (Hug 2 1975, S. 17).
Zunächst sei die Person auf dem Bild knapp analysiert. Ihre Unsicherheit und zugleich ihre Ergriffenheit vor der Grenzsituation des 'Durchbruchs' durch das Firmament drückt sich in ihrem Knien, in ihrer kriechenden Vorwärtsbewegung aus. Sie sucht mit ihrem Körper Sicherheit in der 'alten Welt'. Ihr Kopf, der Sitz des Erkenntnisorgans Gehirn, ihre Sinne des Sehens, Riechens, Hörens sind aber bereits in Kontakt mit der 'neuen Welt', dem 'Außen'. Mit ihrer rechten Hand, die das Firmament durchstoßen hat, führt sie eine grüßende, teils aber auch Überraschung ausdrückende, tastende Geste aus, indem sie die Finger der geöffneten Hand fast spreizt. Die linke Hand liegt auf dem Wanderstab, der dem dargestellten Menschen half, bis zu diesem Punkt – offensichtlich die Kuppe eines Berges – zu gelangen. Anhand des Blicks in die weite Landschaft der 'alten' Welt bis zum Horizont lässt sich erahnen, dass es sich hier um den höchsten Punkt eines Berges handelt. Anhand der Körperhaltung des Wanderers lässt sich jedoch auch spekulieren, ob er wirklich nur allein durch Forscherdrang das Firmament durchstieß, oder ob nicht ein eher zufälliger Sturz zu der neuen Einsicht verhalf. Diese Variante der Interpretation wird durch die Geste der Überraschung bekräftigt. Weiter als bis zu diesem Punkt kann der Wanderer aber offensichtlich nicht vordringen. Würde er versuchen, sich in das Firmament hinein fortzubewegen, wäre die Gefahr seines 'Absturzes' gegeben, denn am Rande der Welt, nach der Durchdringung des dunkelblauen Nachthimmels auf der Höhe des Horizonts, scheinen zunächst lediglich Sphären und Wolken erahnbar. Doch je genauer wir das Bild analysieren, desto ungereimter wird vor allem das hinter dem Firmament Dargestellte. Befindet sich in der 'alten' Welt eine Sonne mit freundlich kindlichem Gesicht und links über ihr der von ihr beschienene Mond mit Profilgesicht, in astronomisch korrekter Stellung zur Sonne, so lassen sich in der 'neuen' Welt hinter dem Firmament ebenfalls – teils von Wolken, teils von Atmosphäre leicht gekrümmte – Luftschichten erkennen, die nach oben hin gestaffelt in die Tiefe zu verlaufen scheinen und in der zwei, z. T. von Wolken verdeckte planetenähnliche runde Formen mit Strahlen zu sehen sind. In der linken oberen Ecke des Bildes sind zwei große Wagenräder im Winkel von 90 Grad zueinander angeordnet, deren Symbolik unklar bleibt. Sollen sie evtl. ein Sinnbild für die Zeit sein? In der Bildlegende zum Holzstich in einem Schulbuch für den Geschichtsunterricht heißt es hierzu, ein Mensch erblicke "das Räderwerk, von dem Sonne, Mond und Sterne bewegt werden" (Hug 2 1975, S. 17).

 

4. Verwendungszusammenhänge

Kein Jahr vergeht, in dem diese Abbildung nicht in mehreren Büchern bzw. auf Buchcovern oder in Zeitschriften – oft umgestaltet – erscheint. Weshalb sich dieser vermeintlich mittelalterliche Holzschnitt in der konstruktivistischen Erkenntnistheorie, der Pädagogik und den Medien so großer Beliebtheit erfreut, wird an drei verschiedenen Aspekten umrissen.

4.1 Für den Konstruktivismus ist die Abbildung (z. B. in Watzlawick 1988, S. 140 reproduziert) deshalb aussagekräftig, weil sie darstellt, dass uns Wirklichkeit lediglich über die Wahrnehmung gegeben ist. Der Philosoph Wolfgang Welsch schreibt: "Der Konstruktivismus hat uns gezeigt, daß Wirklichkeit nicht 'an sich' existiert, sondern auf Aufbauleistungen beruht, für die Wahrnehmungsmuster, Erwartungen, Fiktionen grundlegend sind. Was wir gemeinhin Fakten nennen, sind tatsächlich im wörtlichen Sinne Fakten: sie sind gemacht. Unsere elementaren Konstruktionselemente sind dabei ästhetischer Natur: Leitbilder, Wahrnehmungskonfigurationen, Ordnungsmuster." (Welsch 1993, S. 14) Der Holzschnitt zeigt, dass sowohl das Bild der 'alten' Welt als Scheibe eine alltagspraktisch verständliche und nachvollziehbare Wahrnehmungskonstruktion ist als auch das Bild der 'neuen' Welt, die der Wanderer erblickt. Am 'Durchstoßen' des Firmaments illustriert der Holzschnitt sehr gut, dass die Wahrnehmung der 'alten' Ordnung die Wahrnehmung der 'neuen' Ordnung konstitutiv vorbestimmt. Denn erst die Voraussetzung der Anerkennung des 'Käseglocken'-Weltbildes ermöglicht die 'neue' Weltsicht. Für uns heute gibt es zwar wissenschaftlich angemessenere Weltbilder, die aber ebenso als vorläufige Modelle anzusehen sind, welche wiederum von zukünftigen Konstruktionen abgelöst werden. Trotz der offensichtlichen ästhetisch-konstruktiven Verfasstheit und 'Unrichtigkeit' beider im Holzschnitt dargestellter Welten, berührt Betrachtende heute noch, dass es diesem Wanderer gelingt, durch seinen Wissensdurst und Forscherdrang in eine andere Konstruktion von Wirklichkeit vorzudringen.

4.2 In der Zeitschrift "PÄD Extra" diente dieses Bild als Illustration eines Beitrags zur zeitgenössischen Erwachsenenbildung, der mit dem Satz begann: "Wer nicht weiß, wohin er will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er ganz woanders ankommt." (Hartkemeyer 1994, S. 26). Die Bildlegende lautete "Durchbruch" "Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert" (Hartkemeyer 1994, S. 27). Für die Pädagogik und Erwachsenenbildung ist der Holzschnitt deshalb sehr aussagekräftig, weil er viele ihrer beliebtesten Schlüsselworte verbildlicht. Hier werden Metaphern wie Lebensweg, Lehrgang, Erfahrung machen, lebenslanges Lernen, neue Erkenntnisse und Einsichten gewinnen, Autonomie sowie Bildungsbiografie, um nur die offensichtlichsten zu nennen, assoziativ ins Bild gesetzt. Das Wort "Erfahrung" leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort "ervarn" ab, was soviel heißt wie 'reisend erkunden', 'durchfahren', 'durchwandern' und 'kennen lernen'. Wer in diesem Sinne eine Erfahrung macht, zieht in die Fremde und kommt mit Neuem in Berührung (Bollnow 1968, S. 225ff.). Er versucht, dieses Neue zu erfassen und zu begreifen. Wir befinden uns mit unserem ganzen Körper in einer wahrnehmenden, emotional getönten Zuwendung zur Welt; dies macht der Holzschnitt besonders deutlich. Das Bild scheint somit eine höchst erfolgreiche (Selbst-) Bildungsgeschichte eines Erwachsenen zu erzählen. Es scheint zum einen ein illustrativer Beleg für das individuelle wie zum anderen für das menschheitsgeschichtlich erfolgreiche Selbstbildungs- und Erkenntnisstreben zu sein.
Weitere Verwendungsformen des Holzschnitts in dem Medien – auf Titelseiten von Zeitschriften, als Illustrationen im astrologischen und astronomischen Bereich oder als Coverabbildung für Musik-CDs – werden hier nicht besprochen.

 

5. Ikonografische Annäherungen

Angesichts dieser überaus variabel einsetzbaren aussagekräftigen Aspekte des Bildes unterlief fast allen Autoren, die diese Abbildung benutzten, die (Selbst-) Täuschung, dass sie dieses Bild an den Übergang vom Mittelalter zur Renaissance als "Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert" (Breuer 1993, Impressum) bzw. konkreter "um 1530" (Boschke 1962 nach Clausberg 1994, S. 192) datierten. Sogar längere Ausführungen winden sich um die genaue Datierung. Angesichts seiner Beliebtheit und Aussagekraft scheint die Herkunft des Holzschnitts nebensächlich. Ein Autor übernimmt die Angaben zum Illustrations-"Evergreen" vom vorherigen, so dass Karl Clausberg zwar der Erfolgsgeschichte des Holzsschnitts kurz nachforscht, aber die Herkunft ebenfalls nicht klärt (Clausberg 1994).
Ikonografische Stilanalysen hätten jedoch den vermeintlichen Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert schon früh als nicht authentisch entlarven können. Am auffälligsten ist die für ein Bild aus dem 16. Jahrhundert unmögliche Darstellung der Sonne mit idealisiertem, "geschöntem" und zu dekorativem Gesicht. Diese Sonne erinnert – ebenso wie das Mondgesicht – an Kinderbuch-Illustrationen aus dem 19. Jahrhundert. Hierfür ist ein Vergleich mit einer ähnlichen Sonnendarstellung in der "Geschichte vom wilden Jäger" in Heinrich Hoffmanns "Struwwelpeter", erstmals 1847 erschienen, aufschlussreich. Für das Rahmendekor und die Gestaltung der Pflanzen lohnt sich eine Gegenüberstellung mit den Illustrationen zur "Geschichte von den schwarzen Buben" aus demselben Buch.
Stilvergleiche mit authentischen Darstellungen aus der Zeit um 1500, vor allem mit Hartmann Schedels umfangreich illustrierter Weltchronik aus dem Jahre 1493 "Liber chronicarum" (Schedel 1993/1988), lassen anhand der Rahmendekorgestaltung, des Faltenwurfs von Gewändern, der Baum- und Landschaftsdarstellung erkennen, dass es sich bei dem hier besprochenen Holzschnitt nicht um ein Bild aus dem frühen 16. Jahrhundert handeln kann. Zum Vergleich können auch Holzschnitte Albrecht Dürers herangezogen werden. In Bezug auf die Landschaftsdarstellungen fällt auf, dass die Drucke Schedels und Dürers nicht so dekorativ, etwa mit verschiedenen Schraffuren und Punkten, ausgestaltet sind, wie dies beim hier besprochenen Bild des Firmamentdurchbruchs der Fall ist.

 

6. Der Ursprung des Holzschnitts

Die Herkunft des Holzschnitts wurde bereits in einem Aufsatz von Bruno Weber im Jahre 1973 (Weber 1973) sowie im Buch "Illusionen" von Edi Lanners unter der Überschrift "Berühmte 'Enten'" publiziert (Lanners 1973, S. 122). Beide fanden aber wenig Beachtung. Es sei amüsant, so Lanners, die Legendenbildung um Bildlegenden zu verfolgen, wenn ein Bild beim Publikum gut ankomme. Glauben wir Weber und auch Lanners – und hierfür sprechen die oben erörterten Indizien – so wurde der hier vorgestellte Holzschnitt zum ersten Mal in dem im Jahre 1888 erschienenen Buch "Die Atmosphäre" des französischen Astronoms, Ballonfahrers und Erfolgsautors Camille Flammarion (1842-1919) abgebildet (Flammarion 1888, S. 163). Flammarion gab die Abbildung bei einem Künstler in Auftrag, dessen Name nicht überliefert ist (Magruder/ Poffenberger 1996). Die ironische Bildunterschrift Flammarions verkündete damals zweideutig, ein Missionar des Mittelalters berichtet, er habe den Punkt gefunden, wo Himmel und Erde sich berühren. Aus Flammarions Buch ging klar hervor, dass hier die Erscheinungsform der Atmosphäre illustriert werden sollte, deren Durchdringung auch Flammarion selbst bei den Höhenflügen mit dem Ballon irrtümlicherweise erwartet hatte. Dass durch das Besteigen der Berge die Atmosphäre durchdrungen werden könne – so die Botschaft des Bildes – sei ein noch im Mittelalter wurzelnder Aberglaube.

 

7. Resümee und kulturpädagogische Bezüge

Assoziative Abbildungen kanalisieren berechtigterweise unser in Texten oft unbefriedigt bleibendes Bedürfnis nach ästhetischen Anteilen, nach Bildern, nach Sinnlichkeit, nach Emotionen und nach direkt erfahrbarem Sinn. Dass gerade dem Konstruktivismus nahe stehende Autoren, Naturwissenschaftler sowie Pädagogen sich bei der Herkunft des Bildes in die Irre führen ließen, ist ein sicher nicht zufälliges Phänomen.
In Kursen der Kulturellen Bildung kann der hier analysierte Holzschnitt Ausgangspunkt sein zur praktischen Veranschaulichung und Erkundung der eingangs aufgestellten These der Funktionen von Bildern als Projektionsflächen. Exemplarisch dargestellt wurde sowohl die Verwendung des Holzschnitts als abbildungsbezogene Repräsentation eines vergangenen 'Weltbildes' als auch die Verwendung des Bildes als offener Verweis auf die Erkundung des Unbekannten. Dieser Verweis enthält teilweise 'magische' Aspekte, weil sich die dargestellte Person genau auf der Grenze zwischen dem 'Alten', Bekannten und dem 'Neuen', Unerforschten befindet. Vor allem diese Eigenschaft des Holzschnitts belegt und begründet dessen vielfältige Nutzung und multiple Anwendung.


Literatur
Bollnow, O. F.: Der Erfahrungsbegriff in der Pädagogik. In: Zeitschrift für Pädagogik, 3/ 1968, S. 221-252

Breuer, R. (Hg.): Immer Ärger mit dem Urknall. Reinbek 1993

Clausberg, K.: Wanderer kommst Du ... In: Kunstforum International, Band 128, 1994, S. 190-192

Flammarion, C.: L'Atmosphere. Météorologie Populaire. Paris 1888

Grössing, G.: Das Unbewußte in der Physik. Wien 1993

Hartkemeyer, J. F.: Aus der Aufklärung in die permanente Unvernunft? In: PÄD Extra, 1/1994, S. 26-31

Hug, W. (Hg.): Geschichtliche Weltkunde Band 2. Vom Zeitalter der Entdeckungen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Frankfurt a. M. (Diesterweg) 2 1975

Lanners, E.: Illusionen. München 1973

Lichtenstein, E.: Zur Entwicklung des Bildungsbegriffs von Meister Eckart bis Hegel. Heidelberg 1966

Magruder, K./Poffenberger, A. K.: A Medieval Thought Experiment? In: http://hypernote.com/med_thght.html, 1996

Schedel, H.: Hartmann Schedels Weltchronik. 1493. München 1988

Watzlawick, P.: Münchhausens Zopf oder: Psychotherapie und "Wirklichkeit". Bern 1988

Weber, B.: Ubi caelum terrae se coniungit. Ein altertümlicher Aufriß des Weltgebäudes von Camille Flammarion. In: Widmann, Hans (Hg.): Gutenberg-Jahrbuch, Mainz 1973, S. 381-392

Welsch, W.: Übergänge. In: Niedersen, U./ Schweitzer, F. (Hg.): Selbstorganisation, Band 4, Ästhetik und Selbstorganisation. Berlin 1993, S. 11-15



Bibliografische Angaben zu diesem Text:

Peez, Georg: Ausblick und Einsicht. Zur Verbildlichung von Selbstbildung auf einem vermeintlich mittelalterlichen Holzschnitt. In: Hessische Blätter für Volksbildung, Heft 4, 2002, S. 324-330


Georg Peez (http://www.georgpeez.de) Zuletzt geändert am 12.04.2003